Psychotherapie 
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Zwänge - eine Patienteninformation


Personen, die unter einer Zwangsstörung leiden, erleben Gedanken, die ihnen plötzlich in den Sinn kommen und fühlen sich häufig dazu gezwungen, Handlungen auszuführen mit dem Ziel, ein Unheil zu vermeiden und Angst und Anspannung zu reduzieren. Um sicher zu gehen, werden die Handlungen häufig mehrmals hintereinander ausgeführt. Bei Personen, die eine Zwangsstörung haben, haben diese Gedanken oder Handlungen im Laufe der Zeit ein so großes Ausmaß angenommen, dass die Betroffenen sehr darunter leiden und in ihrer normalen Lebensführung deutlich eingeschränkt sind. Die meisten Menschen mit einer Zwangsstörung finden ihr eigenes Verhalten übertrieben und wehren sich dagegen. Aber fast immer gewinnt die Angst, und sie gehen lieber auf Nummer sicher und geben dem Drang, die Handlung auszuführen, nach. Manchmal entwickeln sich aus den Zwangshandlungen Rituale; d. h. die Betroffenen führen die Zwangshandlungen nach ganz bestimmten Regeln oder in festgelegten Reihenfolgen durch.

Es werden Zwangsgedanken, Zwangsimpulse und Zwangshandlungen unterschieden, wobei auch eine Mischform aus beiden möglich ist.

Man geht davon aus, dass weltweit 2-3% der Menschen davon betroffen sind. Wenn man also z. B. in einem mittelgroßen Kino mit 300 Sitzplätzen sitzt, kann man davon ausgehen, dass 6-9 Personen im Publikum unter einer Zwangsstörung leiden. In epidemiologischen Studien zeigten sich Lebenszeitprävalenzraten der Zwangsstörung von 1-3 %.

 

Entstehung 

Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die im Einzelfall unterschiedlich stark Einfluss nehmen. Genetisch kann eine gewisse Anfälligkeit für Zwangsstörungen veranlagt sein. Bestimmte Erfahrungen in der Kindheit und Jugend können eine spätere Zwangsstörung begünstigen (z. B. strenge Moralvorstellungen, wenig emotionale Wärme, Überbehütung, einengende Familienatmosphäre, übertriebenes Sauberkeitstraining. Spontaneität, lebendige Motorik, Ausdruck von Gefühlen und Aggressivität waren in der Regel unerwünscht und mussten unterdrückt werden. Auch zu frühe Verantwortungsübernahme im Elternhaus spielt eine Rolle). Fehlen bei akutem Stress und belastenden Lebensereignissen hilfreiche Bewältigungsmöglichkeiten, kann es in Verbindung mit bestimmten Lernerfahrungen zum Ausbruch der Erkrankung kommen. Erste Zwangsgedanken werden in ihrer Bedeutung überschätzt und bisher neutrale Situationen plötzlich als gefährlich wahrgenommen. Hohe Anspannung, Ekel oder sogar Angst sind die Folge. Betroffene lernen, dass diese unangenehmen Gefühle durch Zwangshandlungen (z. B. kontrollieren, waschen) abnehmen. Diese haben also kurzfristig eine beruhigende Wirkung und werden daher in ähnlichen Situationen wiedereingesetzt. Je häufiger aber eine Zwangshandlung erfolgt, desto geringer wird die beruhigende Wirkung. Wie bei der Einnahme eines Beruhigungsmittels tritt mit der Zeit eine Gewöhnung ein und die Dosis muss gesteigert werden. Langfristig entsteht ein Teufelskreis, aus dem Betroffene ohne therapeutische Hilfe nicht mehr ausbrechen können und zu dessen Aufrechterhaltung auch bestimmte hirnorganische Veränderungen beitragen. Erkenntnisse der neurobiologischen Forschung weisen auf mögliche Störungen im Stoffwechsel der Botenstoffe (Serotonin) im Gehirn hin. 


Behandlung

Wissenschaftlich ist belegt, dass die Kognitive Verhaltenstherapie bei Zwängen die höchsten Erfolge erzielt. Es kann hilfreich sein, zusätzlich zur Therapie Antidepressiva, insbesondere sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, in hoher Dosierung einzunehmen. In einer Kognitiven Verhaltenstherapie lernen Patienten, wie ihre Erkrankung entstanden ist, wie sie funktioniert und wie sie aufrechterhalten bleibt. Danach werden sie in der Technik der Exposition mit Reaktionsmanagement geschult. Diese beinhaltet, sich mit den Situationen oder Reizen zu konfrontieren, die üblicherweise Zwänge, Anspannung, Angst oder Ekel hervorrufen. Dabei verzichten Patienten auf Zwangshandlungen und erlernen stattdessen zwangsfreie Bewältigungsmöglichkeiten. Die Technik der Exposition löst bei Patienten verständlicherweise zunächst Unbehagen aus, bietet aber die Chance, mit therapeutischer Unterstützung zu erleben, dass unangenehme Gefühle auch ohne Zwangsverhalten abnehmen und befürchtete Katastrophen nicht eintreten. So kann der Teufelskreis durchbrochen und das eigene Leben schrittweise zurückerobert werden. Weiterhin wird in einer Kognitiven Verhaltenstherapie ein neuer Umgang mit Zwangsgedanken vermittelt. Patienten können lernen, Zwangsgedanken als solche zu erkennen, sie auf einer realistischen Basis kritisch zu hinterfragen und ihnen in der Folge keine Bedeutung und Aufmerksamkeit mehr zukommen zu lassen. Auch der Einbezug von Familienmitgliedern, das Erlernen von Entspannungsverfahren, Kreativtherapie, körperliche Aktivität, Meditation oder Yoga tragen zu einer Reduktion der Symptomatik bei.