Psychotherapie 
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Ängste und Panik - eine Patienteninformation

 

Unter krankmachender Angst werden Angstzustände verstanden, die Betroffene scheinbar grundlos überfallen und die nicht mehr kontrolliert werden können. Allmählich entwickeln die Betroffenen immer mehr Angst vor der Angst, es entsteht ein Teufelskreis. Eine Vielzahl körperlicher Symptome sind Begleiter einer Angststörung, z.B. Herzklopfen, Mundtrockenheit, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Erstickungsgefühl, Schmerzen, Enge in der Brust, Übelkeit, Schwindel, Hitze- oder Kälteempfinden, Taubheits- oder Kribbelgefühle.

Die internationale Klassifikation psychischer Störungen (ICD 10) unterscheidet verschiedene Arten von Angst:

  • Generalisierte Angststörung
  • Sozialphobie
  • Spezifische Phobien
  • Agoraphobie
  • Panikstörung

Ca. 15 % der erwachsenen Bevölkerung leiden im Laufe des Lebens an einer vorübergehenden oder länger andauernden Angst - Erkrankung.


Entstehung 

Die Ursachen der Erkrankung sind vielfältig. Sie reichen – neben einer zu vermutenden erhöhten Angst Bereitschaft - von schwer belastenden Lebensereignissen über negative Kindheitserfahrungen bis hin zu andauerndem beruflichem Stress. Es gibt Hinweise, dass bei der Entstehung von Angststörungen neben Umwelteinflüssen und psychologischen Faktoren auch biologische Faktoren eine gewisse Rolle spielen: Das Zusammenspiel verschiedener Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) scheint gestört zu sein.  

 

Behandlung

In der Verhaltenstherapie wird davon ausgegangen, dass menschliches Verhalten, gleich, ob es als normal oder abweichend bezeichnet wird, durch die persönliche und soziale Lerngeschichte der Person, die Bedingungen der aktuellen Lebenssituation sowie durch die positiven oder negativen Konsequenzen des Verhaltens bestimmt wird. Psychische Störungen werden als Resultat prädisponierender, auslösender und aufrechterhaltender Bedingungen verstanden. Die Behandlung setzt in der Regel am gegenwärtigen Problemverhalten des Patienten an und zwar an denjenigen Bedingungen, deren Änderung für eine dauerhafte Lösung des Problems als notwendig erachtet werden. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf einer langfristigen Veränderung der das Problemverhalten aufrechterhaltenden Denk-, Erlebens- und Verhaltensmuster des Patienten. Ziel der Therapie ist die Reduktion bzw. der Abbau des Vermeidungsverhaltens und der Angstreaktion beim Aufsuchen der gefürchteten Situationen. Die Methode, die sich hier allen anderen Therapieinterventionen als klar überlegen gezeigt hat, ist die Konfrontation in vivo, d. h. das Aufsuchen der angstauslösenden Situationen.

Ein weiteres wesentliches Kennzeichen der Verhaltenstherapie ist das störungsspezifische Vorgehen. Das bedeutet, dass für jede Angstkrankheit spezielle, genau auf diese Störung zugeschnittene Behandlungsmethoden entwickelt wurden.  

Behandlung der generalisierten AngststörungenZunächst wird der Patient angeleitet, ein „Sorgentagebuch“ zu führen, um Auslöser für die Sorgen und Befürchtungen und Zusammenhänge mit bestimmten Tätigkeiten oder Personen zu identifizieren. Anschließend wird ein individuelles Erklärungsmodell der Störung mit auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen der Ängste erarbeitet. Im Mittelpunkt der Therapie steht die „Sorgenkonfrontation“. Die Patienten werden angeleitet, sich ihre Hauptsorgen möglichst bildlich mit dem allerschlimmsten denkbaren Ausgang vorzustellen, um eine emotionale Verarbeitung zu ermöglichen (Konfrontation in sensu). Die furchterregenden Szenen sollen so oft gedanklich durchgespielt werden, bis sie nur noch wenig Angst auslösen (Gewöhnung). Im nächsten Schritt werden das Vermeidungs- und Rücksicherungsverhalten durch Konfrontation in vivo angegangen. Dabei wird der Patient aufgefordert, die bisher vermiedenen Situationen aufzusuchen und sein Rückversicherungsverhalten zu unterlassen. Als zusätzliche Intervention kann die kognitive Therapie eingesetzt werden. Die Patienten lernen, ungünstige, dysfunktionale Gedanken zu erkennen, zu hinterfragen und in realitätsangemessene Gedanken zu verändern. Die wichtigsten Strategien sind das Entkatastrophisieren und die Realitätsüberprüfung. Dieses Vorgehen wird von Verhaltensexperimenten unterstützt. Dabei soll das Muster: „Wird die Angst zu unangenehm, lenke ich mich ab.“ durchbrochen werden. Zusätzlich kann das Erlernen einer Entspannungsmethode hilfreich sein, dadurch sollen die Patienten lernen, sich in ängstigenden und belastenden Situationen zu entspannen.  

Behandlung der sozialen Phobie: Bei Defiziten im sozialen Verhalten sind soziale Kompetenztrainings (meist in Gruppen) zum Erlernen von selbstsicherem Verhalten für zwischenmenschliche Situationen indiziert. Themen des Selbstsicherheitstrainings sind z. B. das Äußern eigener Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle, Durchsetzung eigener Interessen, Äußern und Entgegennehmen von Kritik, Konfliktbewältigung, Kennenlernen von fremden Menschen. Ein zentraler Bestandteil der Therapie sind Rollenspiele, in denen der Sozialängstliche neue Verhaltensmuster einüben kann. Wichtig ist auch die Auseinandersetzung mit den irrationalen Gedanken und Befürchtungen sowie der Bewertungsmaßstäbe der Betroffenen. Für sozial phobische Patienten ohne relevante Defizite in den sozialen Fertigkeiten kommen Konfrontationsübungen mit den angstauslösenden Situationen, wie Reden vor anderen, im Mittelpunkt stehen, Essen und Trinken in Gegenwart anderer zur Anwendung. Der Betroffene soll lernen, dass die Befürchtungen nicht eintreten, die körperlichen Symptome der Angst von allein wieder abklingen und er die Situation bewältigen kann.   

Behandlung der spezifischen Phobie: Für die Behandlung von spezifischen Phobien (Klaustrophobie, Höhenangst, Flugangst, Angst vor dem Autofahren, Tierphobie, etc.) haben sich die gleichen Therapiemethoden bewährt wie bei der Behandlung der Agoraphobie. Hier ist die Konfrontation in vivo die Methode der Wahl. Der Patient konfrontiert sich mit den Situationen, die Angst auslösen. Durch Zulassen der Ängste und durch den Verbleib in den jeweiligen Situationen lernt er, dass die befürchteten „Katastrophen“ nicht tatsächlich eintreten, sondern dass die Angst und die damit einhergehenden körperlichen Reaktionen von alleine wieder abklingen und dass man selbst Einfluss auf die Angstreaktion nehmen kann. Zur Unterstützung kann auch ein Entspannungsverfahren, z. B. die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson erlernt werden, um das Anspannungs- oder Erregungsniveau zu senken und die allgemeine Ängstlichkeit zu reduzieren. Entspannungsverfahren sind jedoch nicht allein ausreichend wirksam.  

Behandlung der Agoraphobie: Ziel der Therapie ist die Reduktion bzw. der Abbau des Vermeidungsverhaltens und der Angstreaktion beim Aufsuchen der gefürchteten Situationen. Die Methode, die sich hier allen anderen Therapieinterventionen als klar überlegen gezeigt hat, ist die Konfrontation in vivo, d. h. das Aufsuchen der angstauslösenden Situationen. Der Patient soll lernen, dass er die angstauslösende Situation aufsuchen und sich darin aufhalten kann, ohne dass die von ihm gefürchtete Katastrophe eintritt. Er soll in der Angstsituation so lange verbleiben, bis die dabei auftretenden Angstreaktionen von allein wieder abnehmen. Ganz wichtig für die Durchführung des Konfrontationsverfahrens ist die Vorbereitung der Angstkonfrontationsübungen. Die Exposition (Konfrontation) mit den angstauslösenden Situationen gilt als unverzichtbares Verfahren bei Agoraphobie und spezifischen Phobien (z.B. Klaustrophobie, Höhenphobie, Tierphobie, Flugangst).  

Behandlung der Panikstörung: Erfolgreiche Therapieprogramme zur gezielten Behandlung von Panikanfällen enthalten folgende Bestandteile: Informationsvermittlung zu psycho-physiologischen Zusammenhängen der Angstreaktion, Erarbeitung von möglichen Zusammenhängen zwischen der Angstsymptomatik und Belastungen oder Stress in der Lebensführung, Erarbeitung eines Erklärungsmodells der Panikattacken, Identifikation und Veränderung dysfunktionaler, angstauslösender Gedanken, Konfrontation mit Angstsymptomen und angstauslösenden Gedanken. Ziel der Therapie ist die Reduktion bzw. der Abbau der Angstanfälle sowie die Vermittlung von Fertigkeiten und Strategien im Umgang mit diesen Angstattacken.  

Medikamentös haben sich Anxiolytika als bewährt erwiesen.