Psychotherapie in Frechen Königsdorf

Verhaltenstherapie für Erwachsene

Essstörungen - eine Patienteninformation


Essstörungen sind heutzutage keine Seltenheit mehr, oft werden sie nicht erkannt, da viele Betroffene aus Schamgefühl sich scheuen, über Essstörungen zu sprechen oder gar einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Häufig wird auch in der familiären Umgebung die Problematik eines essgestörten Verhaltens nicht deutlich, da die Betroffenen vieles unternehmen, um das gestörte Essverhalten zu vertuschen. In den Massenmedien wird eine »Idealfigur« propagiert, die oft nicht einem normalen Körpergewicht entspricht. Schönheit wird mit Schlankheit gleichgesetzt und das Aussehen wird als Schlüssel zum Erfolg gesehen. Dieser Zeitgeist wird als wichtiger Faktor bei der Entstehung von Essstörungen betrachtet. Insbesondere Frauen, aber öfters auch Männer, stehen unter dem ständigen Druck, ihre Figur dem Schönheitsideal anzupassen.

Von einer Essstörung spricht man immer dann, wenn jemand sein Essverhalten übermäßig stark einschränkt, kontrolliert oder die Kontrolle über das Essverhalten verliert. Das ICD-10 unterscheidet verschiedene Formen von Essstörungen:

  • Anorexia nervosa (Magersucht)
  • Bulimia nervosa (Bulimie)
  • Binge-Eating-Störung 

 

 Anorexia nervosa

 

 

Bulimia nervosa

 

 

Binge-Eating-Störung

 

Anorexia nervosa ist eine Essstörung, die durch  einen starken, selbst verursachten Gewichtsverlustu nd gleichzeitig durch eine große Angst vor einer  Gewichtszunahme gekennzeichnet ist. Bei der Magersucht ist das  Körpergewicht so niedrig, dass es zu einer körperlichen Gefährdung bis hin zu  lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann.

Die Betroffenen leiden an Essanfällen. Sie können nicht mehr   steuern, wieviel Nahrung sie zu sich nehmen. Weil sie nicht zunehmen möchten,   versuchen die Betroffenen die aufgenommene Nahrung wieder los zu werden, zum   Beispiel durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Hungerphasen oder durch die  Einnahme von Abführmitteln. Die Essattacken treten häufig in Situationen auf, in   denen die Betroffenen Gefühle wie Angst, Traurigkeit, Wut aber auch Wünsche   nach Beachtung, Zuwendung und Intimität verspüren.

Menschen mit einer Binge-Eating-Störung haben ebenfalls immer   wieder Essanfälle, bei denen sie nicht steuern können, was und wie viel sie   essen. Im Unterschied zur Bulimie unternehmen die Betroffenen jedoch keine   regelmäßigen Maßnahmen, um einer Gewichtszunahme entgegen zu steuern und sind   daher meistens übergewichtig oder fettleibig (adipös). Während die Magersucht   und die Bulimie vorwiegend bei Mädchen und jungen Frauen auftreten, sind bei   der Binge-Eating-Störung ab dem Jugendalter beide Geschlechter in fast   gleicher Weise betroffen.

 


Entstehung 

Die Ursachen der Essstörungen sind vielschichtig:

  • biologische Faktoren (genetisch bedingte Sensibilität im Sinne von Anfälligkeit
  • psychologische Faktoren (Selbstwertprobleme, familiäre Konflikte, Verlust- und Trennungsereignisse, Abhängigkeit, der Wunsch alles perfekt machen zu wollen (der bei Leistungsdruck in Schule und Sport zu einem Überforderungsgefühl führen kann), eine erhöhte Zwanghaftigkeit, eine Überforderung mit den Aufgaben des Erwachsenwerdens und der Ablösung aus dem Elternhaus oder stark belastende Ereignisse im Leben, wie zum Beispiel die Scheidung der Eltern, eine Trennungssituation, Gewalterfahrungen oder der Tod eines nahe stehenden Menschen; etc.)
  • soziokulturelle Faktoren (z.B. das stark schlankheitsbetonte Schönheitsideal in unserer westlichen Lebenswelt

Die verschiedenen Ursachen zur Entstehung einer Essstörung können sich gegenseitig beeinflussen und verstärken. In der Regel sind immer mehrere von ihnen an der Entstehung einer Essstörung beteiligt. Andere psychische Erkrankungen können Auslöser einer Essstörung sein. Sie können aber auch als Folge einer Essstörung auftreten. Man weiß heute, dass die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und der immer wieder scheiternde Versuch, das Körpergewicht über Diätversuche zu kontrollieren, immer erneut zu Essanfällen führen kann, so dass die Essstörung aufrechterhalten wird.


Behandlung

Die Verhaltenstherapie beruht auf der Erkenntnis, dass für das Erleben und Verhalten von Menschen vor allem dessen Lerngeschichte verantwortlich ist. Das bedeutet, wenn man aufgrund schwieriger Lebensbedingungen (z. B. Konflikte in der Familie) ein „ungünstiges“ Verhalten (z. B. Essanfälle) oder Erleben (z. B. Minderwertigkeitsgefühle) gelernt hat, kann man dieses Muster an häufig selbstschädigenden Denkstilen, Gefühlen und Verhaltensweisen auch wieder verlernen und durch Neues ersetzen. In der kognitiven Verhaltenstherapie wird mit konkreten Vereinbarungen, Übungen (z. B. Rollenspielen zur Bearbeitung zwischenmenschlicher Konflikte) und auch Hausaufgaben (z. B. dem Führen von Tagebüchern zum Essverhalten) gearbeitet. Die wesentlichen Therapiebausteine sind:

  • Normalisierung des Essverhaltens
  • Behandlung dahinterstehender Schemata
  • Selbstwert und Körpererleben
  • die Entwicklung der Geschlechtsidentität
  • Umgang mit Gefühlen, Impulsivität
  • die Regulation von Nähe und Distanz in Beziehungen, familiäre Konflikte
  • eine starke Leistungsorientierung

 

Ergänzend zu der psychotherapeutischen Einzelbehandlung erfolgen regelmäßige körperliche Untersuchungen. Auch eine Ernährungstherapie kann indiziert sein. Eine medikamentöse Behandlung bei Begleiterscheinungen bzw. zur Senkung des Essdrucks kann ebenso besprochen werden. Dabei ist Fluoxetin der einzige Wirkstoff, der in Deutschland zur Behandlung der Bulimia nervosa zugelassen ist.